Die Illusion von Komfort im Abschluss finden

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Früher hatte ich die Tendenz dazu, mich schnell in jemanden zu verlieben, nachdem man sich mal ein bisschen unterhalten hatte. Ist ja auch erstmal nicht schlimm, solange man nicht direkt overboard geht und die Person damit konfrontiert.

Ja, was soll ich sagen, ich wollte halt unbedingt wissen, ob mein Gegenüber nach zwei Wochen schreiben und schäkeln genauso fühlt. Ich hatte das Gefühl, sobald ich es rausposaune, liegt die Entscheidung beim Gegenüber und diese MUSS mir dann ja sagen, wie sie sich fühlt.

Spoiler: es lief nicht gut und der Lerneffekt, es einfach mal etwas entspannter anzugehen und sich nicht sofort nach Antworten zu sehnen, hat sich erst recht spät herauskristallisiert.

Warum antwortest du nicht mehr? Ist zwischen uns alles gut? Wieso wurde ich bei dem Job nicht genommen?

Warum, warum, warum. Wir haben die krankhafte Eigenschaft, alles und jeden zu hinterfragen und eine Antwort darauf finden zu wollen. Unwissenheit ist scheinbar das Schlimmste, was es gibt. Doch in der Realität passiert es oft genug, das wir keine Antwort erhalten und irgendwie geht das Leben ja auch weiter.

Wir werden nie erfahren, warum man beim Jobinterview nicht eingestellt worden ist. Warum beim Sport in der Schule jemand anderes vor die gewählt worden ist, obwohl du eigentlich die bessere Wahl gewesen wärst. Warum jemand plötzlich kalt oder gemein zu dir war oder plötzlich unfassbar nett. Warum jemand hinter deinem Rücken schlecht über dich redet. Warum andere Leute einfach allgemein etwas tun oder sagen, dass du nicht verstehst.

Auf manche diese Fragen erhalten wir eine Antwort, wenn wir fragen, auch wenn das meistens Konsequenzen mit sich führt. Die meisten dieser Antworten vermitteln uns das Gefühl von Sicherheit und Klarheit, “wenn ich das erstmal weiß, dann kann ich damit abschließen”.

“Ich mag dich einfach nicht.”

Ah, ja ok damit kann ich was anfangen, ok gut danke, jetzt habe ich “Closure”. Öhm, aber warum magst du mich nicht? Hab ich dir was getan?

Plötzlich ist die Antwort von der du erwartet hast, alles zu klären und dich zu beruhigen nur der Anstoß für noch mehr Unsicherheit.

Ich habe einen Großteil meiner Jugend und meines jungen Erwachsenenalters damit verbracht, nach Closure zu suchen. Ich bin Leuten hinterhergelaufen, habe mich verbogen, verstellt und meine Gefühle runtergeschluckt, um Menschen, die mir wichtig waren, zu gefallen und Antworten zu bekommen, die ich mir wünsche.

Und dann verlässt mich eine Person, antwortet einfach nicht mehr. Was habe ich getan?

Einen Großteil des Warums habe ich mit Overthinking verbracht und ich bin einfach nicht weitergekommen. Ich meine ein positiver Side-effect ist das meine Empathie dadurch immer weiter gewachsen ist, aber sie ist aus den falschen Gründen gewachsen.

Wann es mir besser ging?

Als ich für mich feststellen musste, dass ich andere Menschen nicht kontrollieren kann. Sie sind mir keinerlei Rechenschaft schuldig. In fact, schuldet mir niemand etwas. Keine Aktion, keine Geste, keine Nachricht, kein Wort.

Das was ich von mir heraus gebe, ist für immer weg. Dennoch vertraue ich darauf, dass die Energie, die ich gebe, vielleicht auf irgendeinem Weg wieder zu mir zurückkommen wird.

Aber das ist nicht garantiert und man sollte nicht davon ausgehen, dass das garantiert ist. Zeit, Geld, Gefühle und was man sonst noch so anderen Menschen geben kann, KANN reproduziert werden. Muss es aber nicht.

Und das ist okay so, denn man soll nur geben, was man auch hat und nicht vermisst. Für die Lektion habe ich lange gebraucht. Ich kann anderen Menschen nur Wärme und Licht schenken, wenn mein Feuer groß und stark ist. Niemandem ist geholfen, wenn meine Flamme in dem Prozess des Gebens irgendwann erlischt.

Vergleicht man es mit einem Krug Wasser, dann sollten wir diesen solange füllen, bis er anfängt überzulaufen, und nur das was überläuft können wir leichtfertig anderen Leuten anvertrauen.

Es gibt keine Klarheit.

Zumindest nicht immer und das ist okay so. Das Leben schreitet voran, jede Person lebt ihr ganz eigenes Leben, mit eigenen Herausforderungen und Prioritäten und die können sich auch ändern. Nichts ist in Stein gemeißelt, die Chancen stehen tatsächlich gering, das Person XY dich plötzlich aus dem Nichts hasst und sich deswegen nicht mehr meldet. Vielleicht hat man sich einfach auseinander gelebt oder die Prioritäten im Leben haben sich geändert.

Ich werde immernoch traurig und nachdenklich, wenn das was ich tue nicht reproduziert wird. Aber ich habe zumindest gelernt, nicht mehr daran festzuhalten.

Ich gebe heraus, was ich bereit bin zu geben und was die andere Person damit macht, das kann ich nicht beeinflussen. Vielleicht kommt etwas zurück, vielleicht auch nicht und beide Outcomes sind okay.